Tamdhu ist einer dieser Whiskys, die für meinen persönlichen Geschmack viel zu häufig in Sherry ertränkt werden und gar nicht aus sich selbst heraus glänzen dürfen. Sherrylagerung ist halt nicht meins und so greife ich bei jeder Gelegenheit umso schneller zu, wenn sich mir mal ein Tamdhu aus einem Bourbonfass aufdrängt. Die 17 Jahre alte Abfüllung von Cadenhead‘s in meinem Glencairn ist gerade erst vor knapp ein bis zwei Wochen erschienen und als ich diese für 89,90€ erblickte, sabberte ich kurz und dann schlug ich zu. Tamdhu, Bourbon Barrel, Fassstärke - Was soll da schon schiefgehen?
Die Chairman‘s Stock-Serie von Cadenhead’s, in der dieser Tamdhu erschienen ist, besteht aus Fässern, die aus der privaten Sammlung von Hedley Wright, dem im letzten Jahr verstorbenen, langjährigen Chairman von Springbank-Besitzer J & A Mitchell Co Ltd, stammen und jetzt nach und nach auf den Markt kommen. Nach meiner bisherigen Erfahrung altert des Destillat von Tamdhu ganz hervorragend und ist daher mit den 17 Jahren dieser Abfüllung genau auf dem richtigen Weg.
Aroma:
Vanille ist im ersten Moment die beherrschende Note dieses Drams, aber schnell lassen sich noch andere Eindrücke blicken: Eine eigenartig frisch riechende Möbelpolitur, Ingwer, tropische Früchte und Orangenzeste gesellen sich zur Vanille und schaffen einen zurückhaltenden aber irgendwie edel wirkenden Whisky, der seine Fassstärke zwar nicht versteckt, aber gezähmt einbindet, Hab selten einen Whisky getrunken, der mit so wenig Aromen so viel Komplexität ausstrahlt.
Geschmack:
Im Mund machen sich die 57% Alkoholgehalt natürlich erstmal bemerkbar, aber alles andere wäre auch unerwartet. Trotzdem kommen schon beim ersten Schluck, der mir sonst eigentlich immer nur zum Gewöhnen des Gaumens an die Fassstärke dient, deutliche Noten von Vanille, altem Holz und Honig zur Geltung. Dies bestätigt sich deutlich beim zweiten Schluck und wird um dunkle Schokolade, angebranntes Toast, weißen Pfeffer, einen Hauch tropische Säure und Karamell erweitert. Insgesamt eine Art Ode an die leichte Bitterkeit mit einem Hauch hintergründiger Süße.
Abgang:
Mittellang, wärmend und trocken, mit frisch poliertem Holz, Nougat, angebranntem Toast und Vanille.
Fazit:
Vor ein paar Jahren sagte man zu so einem Whisky: SDWAIDG - Scheiß die Wand an ist der geil. Wenn man auf Bourbon Cask-Abfüllungen steht, dann gehe ich mal so weit zu sagen, dass dieser Whisky eine Probierpflicht auslöst. Elegant gezähmte Kraft mit den klassischen Tamdhu-Noten. Für mich persönlich kaum zu toppen. So ein 17 Jahre alter Bourbonfasskrwcher zu so einem Preis - Ich glaub, bevor ich meine Notes online stelle, jag ich mir noch fix was davon 😉