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Slyrs 6 Jahre - Silvaner Finish

28. November 2024

Slyrs 6 - Silvaner Finishing - Horst Bauer Edition

Vor etwa 15 bis 20 Jahren, genauer weiß ich das leider nicht mehr, bin ich erstmals ernsthaft auf deutschen Whisky aufmerksam geworden. Mein damaliger Gedanke „Hey, das musst du alles probieren - Das wird bestimmt der heiße Scheiß“ wurde direkt in die Tat umgesetzt und ich besorgte mir viele Samples von dem, was damals halt erhältlich war: Slyrs, Blaue Maus und, wenn ich mich recht entsinne, Schlitzer. All diese Samples sorgten damals dafür, dass ich lange Jahre keinerlei deutschen Whisky mehr angerührt habe, weil mir das alles so überhaupt nicht zusagte. Bei einem Gespräch neulich mit Peter Moser von Friends of Single Malt ging mir auf, dass ich seit dieser Zeit nie wieder irgendwas von diesen Brennereien angerührt habe, obwohl ich Whisky aus anderen deutschen Brennereien wie zum Beispiel Birkenhof inzwischen wirklich gerne trinke - Slyrs, Blaue Maus und auch Schlitzer haben in meinem Kopf aber immer noch den „Das schmeckt nicht“-Ruf von damals, obwohl ich ihnen nie wieder eine Chance gegeben habe. Bis jetzt: Ich konnte günstig einen 6 Jahren alten Slyrs mit einem dreijährigen Finish in einem Silvaner Beerenauslese-Fass bekommen und gucke mal, ob sich meine langjährig vorgefertigte Meinung ändern lässt.


Aroma:


Saftige rote Trauben, mit Alkohol vollgesogene Pflaumen, Möbelpolitur und Blutorangen kommen durchaus offensiv aus dem Glas. Nach ein bisschen Zeit und Handwärme kommen Honig, Äpfel und Maracuja hinzu. Fruchtig, weinig, saftig, angenehm. 


Geschmack:


Der erste Schluck gehört eindeutig in die Kategorie weinig-edelbitter: angekohltes Holz, Muskat, zermatschte Grapefruit, Sesamkörner, saftige rote Grütze und tropische Früchte. Das kombiniert sich später mit Möbelpolitur, mineralischen Noten und Walnussschalen zu einer herb-süffigen Angelegenheit.


Abgang:


Dunkle Beeren, Maracuja und Pflaumen kombinieren sich mit einer Art Orangenöl und Zedernholz - Klingt schräg? Find ich auch, ist aber wieder auf einer spannenden edelbitteren Seite.


Fazit:


Diese Abfüllung ist jetzt kein überragender Wunderwhisky, aber durchaus so interessant, dass ich mich gerne damit beschäftigt habe. Die Noten des dreijährigen „Finish“ in dem Beerenauslese-Fass überwiegen hier deutlich und lassen den Whisky letztlich zu einer aufgespritteten Beerenauslese werden, aber das kennen wir alle ja genauso mit Sherry, Port oder Sauternes. Ich kann das gut trinken, es ist aber eigentlich nichts besonderes. 

Was sagt mir das nun über Slyrs? Eigentlich nur, dass das Finishing bei Slyrs funktioniert und dass es zumindest keine grässlichen Fehlnoten gibt. Vielleicht war diese Abfüllung nicht die beste Wahl, um die Brennerei zurück in meine dauerhafte Rotation zu führen, aber auch nichts mehr, was mich verschreckt. Muss ich wohl nochmal mehr probieren.


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