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Longrow Red – 15 Jahre

3. April 2025

Longrow Red 15 – Pinot Noir Cask Finish

Jaaaaaa, ich weiß: Ich bin mit diesen Notes mächtig spät dran. Schlappe drei Jahre nach Veröffentlichung ist selbst für einen geruhsamen Norddeutschen wie mich wirklich langsam. Irgendwie bin ich aber nie dazu gekommen, den Longrow Red 15 zu öffnen, den ich direkt beim Release erworben hatte, und hab mich nun im Rahmen eines veranstalteten Tastings selber ein bisschen dazu gezwungen. Ich bin, wie höchstens hundertmal auf diesem Blog erwähnt, ein begeisterter Springbank-Nerd und von den drei Whiskys, die dort gebrannt werden, hat es mir der Longrow absolut am meisten angetan. Der damalige Longrow 14 war gegen Ende einer sehr intensiven „Es kann nur Islay geben“-Phase in den Anfängen meiner Whiskyzeit sowas wie mein Sprungbrett zurück runter von dieser Insel aufs Festland und letztlich der Auslöser der Erkenntnis, dass jede schottische Whiskyregion höchst spannende Kinder hat. 


Wir haben hier also einen 15 Jahre alten, zweifach gebrannten Whisky mit 51,4% Alkoholgehalt, der 11 Jahre seines Lebens in Ex-Bourbonfässern zugebracht hat und anschließend 4 Jahre in frischen First Fill Pinot Noir-Barriques des neuseeländischen Weinguts von Grant Taylor reifen durfte. Ob 4 Jahre Lagerung in einer zweiten Fassart noch ein Finish oder schon eine normale zweite Reifung sind, sei jedem selbst überlassen, aber in jedem Fall ist diese Ausgabe des Longrow Red die meines Erachtens bisher älteste der ganzen Serie, die aus meiner Sicht bisher sehr viele, sehr starke Abfüllungen enthalten hat. Nebenbei: Die Serie wurde inzwischen mit Erscheinen des Longrow 100 Proof eingestellt, da meines Wissens bei Springbank schlicht und einfach keine ausreichende Anzahl an alten Fässern mehr gegeben ist, um den Longrow in den nächsten Jahren mit einem vernünftigen Age Statement abzufüllen. Wenn ich das richtig weiß, sollen auch der Longrow 18 und der Longrow 21 leider erstmal Schritt für Schritt verschwinden. 


UVP von Springbank selber für den Longrow Red 15 waren damals 68 Pfund, also etwa 81 Euro. Meines Wissens ging die Flasche dann für 110€ in den deutschen Einzelhandel. Wie gewohnt verkoste ich den Whisky aus einem Glencairn und habe ihn einmal direkt nach dem Öffnen und einmal zwei Wochen später probiert, da Springbank sich ja bekanntlich durch ein wenig Luft in der Flasche noch deutlich entwickelt.


Nase:


Dunkle, warme und erstaunlich weiche Rotweinnoten mit Tabak lassen zuerst den Eindruck aufkommen, dass hier ein Raucher direkt nach einem Zug in ein großes Rotweinglas ausgeatmet hat. Mit etwas Zeit kommt in meiner Nase dann aber auch der im Gegensatz zu einem Wein natürlich deutlich höhere Alkoholgehalt an. Trotzdem sagte die erste Einschätzung: Hier hat das Pinot Noir-Fass jedenfalls schon mal sehr ordentliche Arbeit geleistet. Insbesondere lila Kirschen, spätsommerliche, saftig-saure Johannisbeeren, matschige Brombeeren und ein Hauch Veilchen machen sich bemerkbar und verraten damit klar den Pinot Noir. Vanille, alte Eiche, Erde und die so Longrow-typische Zitronennote sind ebenfalls unverkennbar, während der Rauch mit einer feinen Barbecuenote zwar deutlich vorhanden ist, sich aber trotzdem als so eine Art Randphänomen im Hintergrund hält. Spannender Start.


Geschmack:


Fett, vollmundig und fast dickflüssig kommt der Longrow auf der Zunge an. Warmer, aschiger Rauch und nasse Erde bestimmen dabei den ersten Moment, werden dann aber direkt von würzig-süß-sauren Noten weggefegt. Die Säuerlichkeit von Cranberries, die Süße von Kirschen und Pflaumen und eine irgendwie zimtig-nussige Würze legen sich warm über den ganzen Gaumen. Zitronenäpfel, Vanille, Leder und schwarzer Pfeffer mischen sich dezent unter diese bestimmenden Noten. Einzig schwelende, nasse Eiche und Teer dringen mit eigenen Akzenten nochmal durch diese mächtige süßlich-saure Komposition und lassen den Longrow gen Abgang ein wenig trocken werden.


Abgang:


Lang und vollmundig klebrig. Blutorangen, Pflaumen und Johannisbeeren kämpfen mit nasser Erde, Rauch, Muskat und Salz um den Sieg. Hierbei sind die wenigen Fruchtnoten anfangs klar im Vorteil, aber ganz am Ende setzt sich der Rauch dann doch durch und klebt noch lange und ein wenig süßlich am Gaumen.


Fazit:


Die frischen Pinot Noir-Barriques haben in den vier Jahren Nachreifung durchaus ordentlich Spuren hinterlassen, aber es nicht geschafft den zitronig-dreckigen Charakter des Longrow vollständig zu übertönen, was erstmal eine sehr gute Nachricht ist. Trotzdem ist dieser Longrow Red 15 vermutlich die weinigste Abfüllung der ganzen Longrow Red-Serie, wenn ich mich an all die anderen richtig erinnere, und das muss man schon mögen. Glücklicherweise bin ich ein Fan von Rotweinreifungen, so dass diese Abfüllung voll und ganz in meiner persönlichen Komfortzone landet, aber ich könnte viele verstehen, die diese Abfüllung eher wieder zurückstellen und zu einer anderen greifen würden. Für mich persönlich ist das ein toller Malt, der sein Geld absolut wert ist…..zumindest das Geld, welches ich bei Erscheinen gezahlt hab. Ob ich die bis zu 170€ ausgeben würde, die die Abfüllung derzeit in Auktionen kostet? Normalerweise eher nicht, aber vor dem Hintergrund, dass ältere Longrow in den nächsten Jahren nicht mehr erscheinen werden, könnte ich eventuell schwach werden.


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